Kulturgeschichte & Automobilbautradition

Im Spannungs­feld zwischen Welt­bürger­lich­keit und Provinzialität entwickelt sich Eisenach seit gut 800 Jahren. Groß­artige Persönlich­keiten ent­falteten von hier aus ihre Wirkung.

Historische Marktansicht
Blick auf die Ostseite des Marktplatzes

Der Name der heiligen Elisabeth ist ebenso untrenn­bar mit der Stadt ver­bunden wie der des großen Reformators Martin Luther, für den Eisenach während seiner Schüler­zeit zu „seiner lieben Stadt“ wurde. 

Die geniale Schöpfer­kraft eines Johann Sebastian Bach nahm hier ebenso ihren Aus­gang wie das erste Auto­mobil der Marke BMW. Und selbst in der „zweiten Reihe“ hält die Wartburg­stadt noch genügend Personen und Ereignisse bereit, die einer historischen Spuren­suche lohnen. Georg Friedrich Telemann wirkte einige Jahre als Hof­kapell­meister in der kleinen Residenz­stadt. Fritz Reuter erwählte den romantischen Schatten der Wartburg zu seinem Alters­ruhe­sitz. Der großartige Physiker und Sozial­reformer Ernst Abbe verlebte Kind­heit und Jugend hier. Und natürlich Goethe. Mehr­fach weilte er in der Stadt, liebte aber wohl die Burg, die über ihr thront, mehr als Eisenach selbst. Aber natür­lich: Ohne die Wart­burg strahlte wohl weit weniger Glanz auf die thüringische Stadt. Vom Land­grafen­geschlecht der Ludowinger im 11. Jahr­hundert errichtete, wurde sie im 19. Jahr­hundert wieder entdeckt und etablierte sich in der Folge als ein deutscher Erinnerungs­ort mit tiefem Symbol­gehalt. Sie steht bis heute für das, was die deutschen Burschen­schaften schon 1817 gefordert hatten: ein Deutsch­land in Einheit und Freiheit.

Und bis heute liegt die Magie dieser eher kleinen Stadt in ihrer so reich­haltigen Geschichte, die Eisenach zu einem symbol­trächtigen Ort werden lässt. Sie steht für erst­rangige kulturelle Leistungen, für wirtschaftliche Schöpfer­kraft und nicht zuletzt für politische Aus­strahlung. Für jeden also etwas dabei.

Historische Ansicht des Lutherhauses
Blick in die Lutherstraße zum Lutherhaus, um 1910
Historische Stadtansicht
Blick auf die Westseite des Karlsplatzes, um 1890

Kurzchronik

1189
Eisenach wird urkundlich erstmals als Stadt erwähnt

1211 - 1227
Landgräfin Elisabeth, ungarische Königstochter, lebt in Eisenach und auf der Wartburg

1498 - 1501
Der Reformator Martin Luther besucht die Schule in Eisenach

1521/22
Martin Luther übersetzt das Neue Testament auf der Wartburg ins Deutsche

1685
Der geniale Komponist Johann Sebastian Bach wird in Eisenach geboren

1817
Die deutschen Burschenschaften treffen sich in Eisenach zum Wartburgfest der Deutschen Burschenschaft

1839 - 1867
Die Wartburg wird wiederhergestellt und etabliert sich als deutsches Nationaldenkmal

1863 - 1874
Der berühmte Dichter Fritz Reuter verbringt seinen Lebensabend in Eisenach

1869
Die deutsche Sozialdemokratie konstituiert sich in Eisenach als SDAP

1898
Das erste Automobil wird in Eisenach gebaut

1929
Das erste Auto der Marke BMW wird in Eisenach gebaut

1989/90
Auch die Eisenacher erkämpfen in der friedlichen Revolution demokratische Grundrechte

1994 - 1999
Bedeutende Unternehmen, wie Opel, Bosch oder BMW siedeln sich in Eisenach an

1998
Der US-Präsident Bill Clinton besucht Eisenach

1999
Die Wartburg wird von der UNESCO in die Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen